60 Kilogramm Fleisch hat jeder Deutsche durchschnittlich im Jahr 2018 gegessen

Ein Ausflug in die Welt der Statistiken und historischen Verläufe

Welches Fleisch essen wir deutschen eigentlich am liebsten und noch viel Interessanter, wie viel davon ist es wirklich?

In unserem Wochenrückblick über Unser Selbstexperiment: 2 Monate als Vegetarier soll es diese Woche um ein paar Zahlen und Fakten gehen, die uns wahrscheinlich alle betreffen. Unseren ganz persönlichen Wochenrückblick lassen wir dabei diese Woche einmal aus. Alle Beiträge unserer Blog-Serie findet ihr hier.

Unser Fleischverzehr im Jahr 2018

Wie auch im Titel steht, haben wir deutsche im Jahr 2018 durchschnittlich 60,1 Kilogramm Fleisch gegessen, das geht aus dem „Bericht zur Markt- und Versorgungslage Fleisch 2019“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hervor[1].

Den vorläufigen Zahlen zu folge nahm damit der Verzehr um +0,12 kg pro Kopf leicht zu. Diese Zahlen ergeben sich aus dem gebildeten Summen der einzelnen verzehrten Tiergruppen. 

Dabei essen wir deutsche am liebsten Schweinefleisch, mit 35,7 kg macht das auch mehr als die hälfte unseres Fleischverzehrs aus (59%). Schweinefleisch (Schweine-Kotelett) ist im Fleischpreis-Index von Caterwings mit circa 6,97 Euro auch das günstigste Fleisch in Deutschland[2].

Anschließend folgt Geflügelfleisch mit 13,2 kg (22%) und 9,7 kg Rindfleisch (16%). Die letzten 1,6 kg macht Fleisch von Schafen, Ziegen, Pferden, Wild und Innereien aus (3%)[3].

Weniger ist mehr, sagt die DGE

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) empfiehlt übrigens, nicht mehr als 600 Gramm Fleisch pro Woche zu sich zu nehmen. Die meisten Männer in Deutschland verzehren über 1.000 Gramm Fleisch pro Woche, bei Frauen liegt der Wert bei circa 600 Gramm pro Woche, was an der oberen Grenze des Orientierungswertes liegt[4].

Einen Nice-To-Know Fakt für euch! Bei der Zahl 60,1 Kilogramm handelt es sich um den ausschließlich menschlichen Verzehr von Fleisch (Schätzung des Bundesmarktverbandes für Vieh und Fleisch). Wenn wir auf unseren Fleischkonsum schauen (Nahrungsverbrauch, Futter, industrielle Verwertung, Verluste (einschl. Knochen)) liegt dieser Wert bei 88,6 Kilogramm, was  28,5 Kilogramm mehr sind[5].

Wer hat eigentlich … die meisten Schweine?

Warum genau habe ich jetzt das Schwein gewählt? Immerhin ist das Schwein das „Lieblingstier“ der Deutschen zumindest haben wir es mit 59% zum Fressen gern!

Für meine Recherche zu diesem Artikel habe ich in dem „Bericht zur Markt- und Versorgungslage Fleisch 2019“ der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gestöbert. Ich gebe zu, das war meine Samstagsaufgabe mich durch das 47-seitige PDF-Dokument zu lesen.

Jetzt kann ich aber belegen, dass in Niedersachsen mit rund 32% die meisten Schweine zu Hause sind. Danach folgt Nordrhein-Westfalen mit 26% und Bayern (12%)[6]. Na gut, bei dem Absatz musste ich etwas schmunzeln. Damit möchte ich natürlich niemanden aus den drei oben genannten Bundesländern auf den Schlips treten.

Wie sieht es mit artgerechter Tierhaltung aus?

2018 wurden in 22.400 Betrieben Schweine gehalten, im Vergleich zum Vorjahr 2017 ging diese Zahl um 1.100 Betriebe (4,7%) zurück. Pro Betrieb sind dies im durchschnitt 1.181 Schweine (das ist fünf-mal so viel wie 2001)[7].

Seit April 2019 haben sich die großen Handelsketten ALDI Nord, ALDI Süd, EDEKA, Kaufland, LIDL, NETTO, PENNY und REWE zu einem einheitlichen Label zusammenschlossen, welches Verbrauchern helfen soll, schnell zu erkennen, unter welchen Umständen die Tiere des Produkts gehalten wurden[8].

Dabei kritisiert die Verbraucherzentrale, dass „Haltungsform“ zwar dem Verbraucher ersichtlich macht, wie das Tier gehalten wurde aber kein Tierwohllabel ist. In einem Artikel unter verbraucherzentrale.de heißt es außerdem, dass es „Wichtige Tierwohlkriterien gibt, die die Haltungskennzeichnung nicht abdeckt“[9].

Das Label „Haltungsform“ ist in vier verschiedene Kategorien eingeteilt und deckt jeweils die Hähnchenmast, Milchviehhaltung, Putenmast, Schweinemast und Rindermast ab: 1. Stallhaltung (rot), 2. StallhaltungPlus (blau), 3. Außenklima (orange), 4. Premium (grün).

Konsumenten haben die Macht

Für die meisten Konsumenten ist eine artgerechte Tierhaltung am wichtigsten. Jedoch spiegelt sich das nicht in dem Kaufverhalten dieser wieder. In den Supermärkten findet sich zu 56% die rote und damit niedrigste Kategorie (Stallhaltung) wieder. Gerade mal ein Drittel der Produkte (34%) sind der blauen (zweiten) Kategorie „StallhaltungPlus“ zugewiesen. Um so trauriger ist es im wahrsten Sinne des Wortes, dass Produkte aus der „Außenklima“ (orange) Kategorie nur zu 2% gefunden wurden. Aber immerhin 8% der Produkte mit einem „Premium“ (grünen) Label versehen sind. Die genannten Daten basieren auf einem Marktcheck der Verbraucherzentralen vom 17.05. bis 14.06.2019, bei welchem 1.631 Produkte erfasst wurden[10].

Die Schlussfolgerungen und Forderungen der Verbraucherzentrale[11] an den Markt sind klar:

  • Der Anteil von Fleischprodukten in den Haltungsformen 3 und 4 muss deutlich erhöht werden
  • Der Handel muss besser über die Label zur Haltung informieren und aufklären
  • Die Händler müssen umgehend das einheitliche System „Haltungsform“ verwenden
  • Die Haltungsform muss auch an der Bedientheke angegeben werden
  • Auch bei Fleischerzeugnissen muss über die Art der Tierhaltung informiert werden

Jetzt seid ihr am Zug

Was kann ich einzelner schon machen? Ziemlich viel, entscheide dich, welche Produkte du kaufst und du moralisch vertreten möchtest.
Denn die größte Macht haben nicht etwa produzierende Großbetriebe und Handelsketten, sondern der Konsument, der die Nachfrage und das Angebot bestimmt.

Lass uns doch gern in den Kommentaren wissen, wie du darüber denkst und vor allem bin ich auf eure Meinungen zu diesem – tatsächlich etwas aufwendigeren Artikel gespannt!

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Quellenverweise & Hinweise für diesen Beitrag:


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